Kunst im Dunkeln des Zeittunnels
Wer ab dem 26. September den Zeittunnel Wülfrath betritt, erlebt Kunst an einem außergewöhnlichen Ort: tief im alten Kalksteinstollen, im gedämpften Licht der Abendstunden.
Geöffnet ist nur freitags und samstags, jeweils von 18 bis 20 Uhr – denn erst in der Dunkelheit des Tunnels entfalten die Werke ihre volle Wirkung. Viele der Arbeiten enthalten fluoreszierende Neonfarben und beginnen unter Schwarzlicht regelrecht zu leuchten – ein Effekt, der den ungewöhnlichen Ort noch einmal in ein ganz eigenes Licht taucht.
Gezeigt werden die Arbeiten zweier Künstler aus der Region: der Wülfrather Marcel Frömming und Boris Pollklesener aus Velbert-Langenberg.
Marcel Frömming zeigt Liquid Paintings: Flüssige Farbe wird in Bewegung gebracht, fließt ineinander und formt dabei Strukturen, deren endgültige Gestalt sich erst im Entstehungs- und Trocknungsprozess entwickelt. Im fertigen Bild bleiben die Spuren dieser Bewegung erhalten.
„Meine Formsprache hat sich von klassischem Pouring mit vielen Zellen hin zu klaren
Farbschichten entwickelt, die an Gesteinsformationen erinnern. Der Zeittunnel lag da
als perfekter Ort einfach auf der Hand.“
— Marcel Frömming
Boris Pollklesener arbeitet mit String Art: Faden für Faden entstehen komplexe geometrische Muster. Aus vielen gespannten Linien werden Formen und Kurven. Die Umsetzung folgt einem präzisen Aufbau und lebt von konzentrierter, fast meditativer Wiederholung. Hinter beiden Techniken stehen langsame Entstehungsprozesse. Bis ein Liquid Painting vollständig getrocknet oder der letzte Faden einer String-Art-Arbeit gespannt ist, können mehrere Tage bis Wochen vergehen. Der Zeittunnel bildet dafür einen passenden thematischen Rahmen: Seine Ausstellung erzählt von Erdgeschichte, geologischen Epochen und vergangenen Welten.
„So unterschiedlich fließende Farbe und gespannte Fäden auch sind – im Dunkel des Tunnels beginnen sie miteinander zu sprechen. Genau dieser Ort macht aus zwei Handschriften ein gemeinsames Echo.“
— Marcel Frömming & Boris Pollklesener